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Partnerschaftsberatungein Service von DESAFINADO, |
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Die Liebe und das erste Kind Von der Sexflaute zum sinnlich-erotischen Abenteuer von Diplompsychologin Berit Brockhausen "Kinder - Streß für die Liebe" titelte in diesem Jahr eine deutsche Illustrierte und unterschrieb das Ganze mit: "Zoff in der Partnerschaft, Sexflaute und Babyblues". Beschrieben und mit Zahlen unterlegt wurde, daß Kinder für die Beziehung eher einen Risikofaktor als einen Gewinn darstellen. Sollten also Geburtsvorbereitungskurse dazu übergehen, werdende Eltern vor den einschneidenden Veränderungen, die auf sie zukommen, zu warnen und sie darüber aufklären, daß Streit und Entfremdung unausweichlich ist? Ist "Keine Lust auf Sex" bei Frauen im ersten Lebensjahr des Kindes hormonell bedingt und daher unvermeidlich? In meinen Augen ist der Übergang zur Elternschaft weniger eine Krise denn eine Herausforderung. Und das Symptom sexuellle Lustlosigkeit, tatsächlich ein häufiges Thema in der Beratung von Paaren mit kleinen Kindern, ist ein wichtiger Hinweis darauf, daß noch kein zufriedenstellendes neues Gleichgewicht in der Partnerschaft erreicht worden ist. Wie zum Beispiel bei Fred und Lisa H. Sie kamen in die Beratung, als ihr Sohn knapp zwei Jahre alt war. Lisa war diejenige, die "keine Lust" hatte, und Fred war derjenige, der unter ihrer Zurückweisung litt und der auf Veränderung drängte. Beide meinten mit "keine Lust", daß Lisa seltener als Fred Lust auf Sexualität hatte. Beide waren sich einig, daß Freds Bedürfnisse normal und Lisas fehlende Bedürfnisse das Problem seien, obwohl ihr, wie sie sagte, eigentlich nichts fehlte. Auf meinen Einwand, daß sie kein sexuelles Problem sondern einen ganz normalen Ehe-Konflikt hätten, der immer entsteht, wenn die Bedürfnisse beider Partner nicht von selbst perfekt zusammenpassen, reagierten sie zunächst irritiert. Gefragt, in welchen Bereichen des Alltags es noch Schwierigkeiten gäbe, nannten sie wie viele andere Paare in dieser Situation einige Veränderungen ihres Zusammenlebens, die sich nach der Geburt des Kindes eingestellt hatten. Offensichtlich wurde, daß Lisa mit der Aufteilung, daß sie sich hauptsächlich um den Sohn kümmerte und ihr Studium aufgrund der häufigen Krankheiten des Kindes sehr flexibel handhabte, unzufrieden war. Fred ärgerte sich, daß Lisa von ihm trotz seiner beruflichen Belastung Mitarbeit im Haushalt forderte. Lisa fühlte sich unwohl, weil Fred den größten Teil des Familieneinkommens verdiente. Es zeigte sich, daß das Gleichgewicht zwischen ihnen, die sich als ebenbürtige und unabhängige Partner ineinander verliebt hatte, gestört war. Inzwischen bewegten sie sich in verschiedenen Welten, Gespräche darüber wie auch das Verständnis für die Welt des anderen waren selten geworden. Beide begannen miteinander nach anderen Regelungen zu suchen, die ihren Bedürfnissen besser gerecht werden konnten. Dies war gar nicht so einfach, und eine wichtige Aufgabe der Beratung war, darauf zu achten, daß sie keine "faulen Kompromisse" schlossen, d.h. Vereinbarungen, hinter denen sie nicht standen und die deshalb auch nicht funktionieren. Lisa und Fred einigten sich darauf, daß der schnelle Abschluß von Lisas Studium und ihr Einstieg ins Berufsleben Priorität haben solle. Fred war an drei Nachmittagen in der Woche für den Sohn zuständig und konnte in dieser Zeit eine eigene Beziehung zu ihm aufbauen. Für alle drei war wichtig , daß Lisa zu dieser Zeit das Haus verließ. Es gab Vereinbarungen für etwaige Krankheiten, die beide als fair empfanden. Ihr Umgang miteinander veränderte sich und sie sprachen wieder häufiger über die Dinge, die sie beschäftigten. An diesem Punkt der Beratung erschien es sinnvoll, sich noch einmal mit dem Symptom zu beschäftigen. Wie alle "lustlosen" Menschen, die mir in meiner beruflichen Praxis begegnet sind, meinte auch Lisa eigentlich: "Ich habe keine Lust auf das, von dem ich denke, daß ich darauf Lust haben sollte". Viele Paare erwarten, daß Sexualität nach der Geburt genauso abläuft wie vorher. Das geht natürlich völlig an der Tatsache vorbei, daß ihre Situation mittlerweile eine andre ist. Der Lebensrhythmus, die Aufgaben und die Rollenverteilung zwischen ihnen haben sich verändert. Und mindestens eine/r ist chronisch unausgeschlafen ... Selbstverständlich verändern sich auch die körperlichen Bedürfnisse. Es ging also darum, daß beide ausdrücken, worauf sie wirklich Lust haben, sich vom Gewohnten bzw. "Normalen" lösen und sich ehrlich fragen: wie möchte ich jetzt berühren, wie berührt werden? Sexualität ist schließlich viel mehr als Geschlechtsverkehr am Ende einer eingespielten Abfolge von Berührungen. Es war wichtig, daß Lisa anfing, Fred zu zeigen, was sie sich körperlich wünschte, auch wenn es dem, was er signalisierte, nicht entsprach. Und daß beide miteinander versuchen, Wege für gemeinsamen körperlichen Genuß zu finden. Auch Fred stellte fest, daß sich hinter seinem Wunsch nach Sex ein breites Spektrum von körperlichen Bedürfnissen verbarg. Er genoß es, Lust sich im Austausch mit Lisa entwickeln zu lassen, ohne von Anfang an ein vorgefaßtes Ziel zu verfolgen. Das Ergebnis war allerdings nicht immer voraussagbar, von einem Quickie bis zu ausgedehntem Streicheln, von einer Massage bis zu vergnüglichem Petting war alles möglich. Das Ergebnis der Beratung von Lisa und Fred kann stellvertretend für viele andere Paare stehen: Damit Liebe und Erotik die Veränderungen durch die Geburt des Kindes "überleben", ist es wichtig, daß beide im Alltag tragfähige Vereinbarungen partnerschaftlich aushandeln. So können sie auch in der Sexualität - ausgehend von den eigenen Bedürfnissen - zu befriedigenden Zwei-Gewinner-Lösungen kommen. |